Der liebe gute Wettbewerb,
in einer Welt in der Produkte standardisiert und vergleichbar sind herrscht Preiswettkampf. VoIP (Voice over Internet Protocol) Dienste wie Skype oder Sipgate wurden zwar im Festnetz verteufelt, schafften dennoch ihren Durchbruch. Die Zeit wird knapp für Mobilfunk Provider, um sich auf den kommenden VoIP Wettbewerb einzustellen.
Was wurde diskutiert, ob Skype auf‘s iPhone darf oder nicht; oder ob man in den Nutzungsbedingungen mobiler Surfpakete VoIP Diensten gar per se untersagen kann. Schließlich wuchs der Druck aber. Branchengrößen wie T-Mobile und Vodafone führten Sondertarife ein, die gegen ein kleines zusätzliches Entgelt den Knebel nicht so bitter schmecken lassen sollten. Getreu dem Motto: „Wir verstellen keinen Weg! -aber, lieber Nutzer wir erheben Servicepauschalen, damit die Netze auch in Zukunft qualitativ mit steigenden Bedürfnissen Schritt halten können.”
Kundenwachstum ist begrenzt!
Ist der Markt erstmal gesättigt folgt die Kannibalisierung. Der erste Provider, der jetzt zubeißt, ist O2. Die spanische Mutter Telefonica gab grünes Licht, um aggressiv Kunden zu werben. Vorbei der Traum der anderen Provider, durch Zusatzleistungen eine höhere Rendite zu erlangen. Im Zeitalter von Open Innovation zeigt O2 sein „offenes Ohr” für die Bedürfnisse der Kunden. Gefragt nach seiner Haltung zu VoIP sagte gestern der O2 Europa-Chef Matthew Key gegenüber DPA:”Wir werden nicht versuchen das aufzuhalten, wenn die Kunden das nachfragen”. -Große Worte. VoIP auf dem Mobiltelefon für „Jedermann”. Ein Provider, der mit seiner Rolle als Bitbipe zufrieden ist und andere an den Gesprächsminuten verdienen lässt. Das klingt nach Revolution.
Als Betriebswirt leuchtet mir ein, dass die kleine O2 hier darauf setzt, dass ihr der VoIP Schnitt nicht allzu sehr wehtun wird. Denn nur die Platzhirsche müssen fürchten, dass ihre Infrastruktur dem Ansturm nicht standhält. Sowohl O2 als auch EPlus haben da sicher noch Reserven. Außerdem sind die Kunden es ja gewohnt, nicht immer im schnellsten Netz zu surfen. Wenn also VoIP dort sowieso nicht funktioniert, dann kann man ein paar mehr Kunden für die Internetpacks S bis L ganz gut verkraften. Schon EPlus hatte ja mit seinem ersten Datentarif gezeigt, wie man Kundenerwartungen hochleben lassen kann, um dann mit Geschwindigkeit diese gewaltig zu enttäuschen.
Ich selbst habe bei 02 VoIP schon probiert, aber so richtig funktioniert hat es nicht. Auf meinem HTC Touch Diamond 2 lässt sich zwar Skype bequem installieren, aber so wirklich Telefonieren darüber klappt nicht. Woran es liegt? Ob an Skype oder an O2 - keine Ahnung. Aber zumindest theoretisch geht‘s. Inwieweit mir diese Erfahrung jetzt als Kunde praktisch weiterhilft, ist einfach zu beurteilen. Gar nicht!
Open Innovation heißt eben auch, aktiv dafür zu sorgen, dass neue Dienste von Third Parties auch in meinem Netz laufen. Dazu gehört der Ausbau der Infrastruktur und Support. „…den Kunden nicht aufzuhalten” klingt mehr nach: Wir als Provider behindern Dich nicht. -Aber den Kunden wirklich zu unterstützen, seine Wünsche zu respektieren, diese zu hinterfragen und ihm dafür Lösungen anzubieten, ist was eine Firma ausmacht und echte Kundentreue verschafft. Aber vielleicht verstehen uns unsere Mobilfunkprovider irgendwann besser, wenn unsere Stimme via VoIP zu ihnen hinauf hallt.
Mit dieser Hoffnung.
Ihr André Winzer