Stirbt DRM?
Am 2. April 2007 läutete EMI Music die Geburtsglocken für den Verkauf von DRM-freier Musik im MP3-Format. DRM steht für Digital Rights Management. Die Musikindustrie feierte kräftig sich selbst, denn endlich kann der Kunde die Musik geräteunabhängig einsetzen und ist nicht mehr an Portale wie I-Tunes, MusicLoad, Napster oder ähnliche Services gebunden.
Die Schwachstellen von DRM sind:
- fehlende Interoperabilität
- beschränkte Übertragbarkeit und Nutzbarkeit
(stark abspielgerätebezogene Abhängigkeit) - Formatunsicherheit beim Kunden
(welches Format setzt sich durch?)
Das Ende von DRM?
Die Antwort ist klar nein. Zwar favorisiert der Kunde eine unbegrenzte Nutzbarkeit von Inhalten, aber manche Geschäftsmodelle erfordern DRM wie zum Beispiel:
- bei zeitlich beschränktem Zugang (Musik-Abodienste, Video on Demand etc.)
- Superdistribution (Der User kann Inhalte selbst in Umlauf bringen, meistens über P2P-Netzwerke, und erhält dann eine Provision.)
- zeitlich nutzbare Downloads (beispielsweise werbefinanzierte Nutzung).
Somit wird DRM auch zukünftig eine große Rolle spielen. Denn jede Nutzung von Content muss von einem Provider authentiziert werden. Erfolgt die Authentisierung über Content Provider, so können diese den Missbrauch fast völlig ausschließen.
Das erklärt auch, warum der Abschied von DRM so schwer fällt. Die Motivation ist daher natürlich ertragsorientiert. DRM-Freiheit kostet.
Der Preis steigt um rasante 30%.
- Das Argument, dass ja auch die Qualität steigt (EMI plant eine Verdoppelung der Qualität), kann aus meiner Sicht dabei nicht mehr gelten. Das menschliche Ohr hört mit Sicherheit nicht mehr als die bereits vorhandene CD-Qualität anbietet.
- Das DRM-freie Musik schließlich auch ähnlich dem MP3-Format beliebig kopiert und getauscht werden kann, ist ein weiteres Argument, welches immer wieder gern ins Feld geführt wird. Als Schaltzeit-Mitabeiter jedoch vor wenigen Wochen auf der CeBIT waren, konnten sie am Stand vom Fraunhofer Institut Digitale Wasserzeichen bewundern, die beim Kauf fast schon in Echtzeit in der DRM-freien Musikdatei untergebracht werden können ohne die Abspielbarkeit zu behindern. Sie erlauben der Musikindustrie, schnell Rückschlüsse auf den ursprünglichen Käufer zu ziehen. Das heißt derjenige, der seine gekauften Dateien via P2P in Umlauf bringt, kann auch wegen Missbrauch direkt belangt werden.
Die Industrie selbst besitzt Alternativen zu DRM, welche billiger in der Verwaltung sind. Der Einsatz von Wasserzeichen z.Bsp. ist ein vielversprechender Ansatz. Gleichwohl ermöglicht DRM auch Geschäftsmodelle, die ohne DRM einfach nicht existieren würden. Insofern wird es am Markt zu einer Koexistenz beider Formen kommen.
Nicht nachvollziehbar erscheint der gewaltige Preisunterschied, der derzeit bei EMI diskutiert wird. Dreißig Prozent Ertragsteigerung ist keine schlechte Hausmarke. Der sparsame Verbraucher wird sich wohl weiterhin damit abfinden, dass er DRM-verschlüsselte Inhalte kauft.
weiterführende Links
- EMI Music DRM-free: What It Means For The Online Music Industry
- EMI, Apple To Sell DRM-Free Music for $1.29/song
- Will DRM Die Today?
Foto: rastrus / Tony Howard (flickr)
Text: AWi














