Delete all ads*

Alternative Werbeformen und Kanäle sind auf dem Vormarsch. Aber nicht immer ganz freiwillig sind Werbemacher auf der Suche nach spektakuläreren Alternativen um Aufmerksamkeit zu erregen. Manchmal stehen schlicht und einfache keine klassischen Werbeformate mehr zur Verfügung.

So geschehen mit Werbetafeln in Sao Paulo, der 12 Millionen Mega-Metropole, im Dunstkreis brasilianischer Industrieanlagen. Da gibt es nicht nur einen neuen Bürgermeister, sondern seit dem 26. September 2006 auch ein neues Gesetz, das “Lei Cidade Limpa”. Das Gesetz der sauberen Stadt verbietet Außenwerbung im gesamten Stadtbereich.

Die Verantwortlichen können zum Jubiläums-Verkündungstag auf ein durchaus erfolgreiches erstes Lebensjahr zurück blicken. Seit Januar wurde überall eifrig abgeschraubt. Werbetafeln, Beleuchtung, Plakate – kurz sämtliche “äußere” Werbung wurde entfernt. Zunächst mit Skepsis und Widerstand (hier tat sich vor allem der Gewerkschaftsverband der Unternehmer für Außenwerbung SEPEX hervor), dann aber mit großem Zuspruch vor allem aus der Bevölkerung. Die “werbefreie” Stadt kommt gut an. Offizielle preisen die Einwohner Sao Paulos sogar als engagierte Partner im Kampf gegen die überdimensionale Positionierung der Werte der Konsumgesellschaft.

Auch die Baubranche profitierte, wenn auch im bauwütigen Sao Paulo auf ungewöhnliche Weise. Der Rückbau der überproportionalen Armaturen kurbelte die Branche weiter an, lies allerdings auch die Preise für Alt-Eisen im April auf ein historisches Tief fallen. Richtig schlecht traf es aber vor allem Plakatmaler, Designer und Vermieter. Doch auch hier besteht Hoffnung. Von offizieller Seite erklingen Signale, Werbung in geordneter Form z.B. an Bushaltestellen demnächst zurück kehren zu lassen.

Bis dahin heißt es für Werbemacher umdenken. Insofern eigentlich auch nichts wirklich Neues in der Branche. Die Schaltzeit unterstützt das Umdenken mit drei Top-Vorschlägen für alternative Werbeformate:

  1. Werbung in virtueller Welt: NewBerlin macht es vor. Eine ganze Stadt wird in Second Life nachgebaut. Vielleicht auch eine Alternative für Sao Paulo, inklusive unbegrenzter virtueller Werbefläche. Beispiele: Anbieter virtueller Werbeflächen IAN, Kampagne in Second Life: Virtuelle Vermietung von realen Hostel-Schlafplätzen
  2. Kino und Cross-Media-Werbeformate sind im Umbruch. Im Kino lassen sich z.B. hervorragend Werbebotschaften aus TV, Print und Funk (crossmedial) durch product placement verbinden. Neben Kino werden zunehmend auch private Videos à la Youtube relevant. Sogenannte High Definition Videos stehen durch das neueste Flash-Update auch vor der privaten Haustür und verbessern Qualität und Professionalität solcher Formate.
  3. Guerillia Marketing: Kommt einfach nicht aus der Mode. Ein Beispiel: Waschmaschinen auf Urlaub.

Das positive Beispiel von Sao Paulo könnte sogar weltweit Schule machen. Auf der offiziellen Webseite der Prefectura de Sao Paulo (Stadtverwaltung), verweist man ausdrücklich auf das positive Echo aus aller Welt. Vor allem auch Deutschland, heißt es, habe konkretes Interesse angemeldet. Vielleicht ist dann doch des Öfteren eine Empfehlung aus der Schaltzeit Kreativzentrale nötig.

Text & kein Bild: Andreas Illmann

* Auch dieser Blogbeitrag erscheint nach dem Bildersturz in Sao Paulo ohne Fotos.

Eine Reaktion zu “Delete all ads*”

  1. illi

    tolles Beispiel für 2.
    V-Marketing
    http://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A

    bereits über 800.000 Zuschauer

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