Was ist Dynamic Spectrum Management (DSM)?

DSL - Überblick

Geschwindigkeit steigern? Nach dem Motto immer schneller, immer weiter arbeiten die Telcos der Welt an neuen Verfahren, welche die Datenübertragungen verbessern und sich adaptiv verhalten. Erklärtes Ziel: 200 Mbit/s Geschwindigkeit aus den bestehenden Kupferkabeln herauszuholen.

In der Theorie erscheint dies überhaupt kein Problem. Denn Kupferkabel können bereits heute 200 Mbit/s (VDSL 2) verkraften.

In der Praxis jedoch macht sich Enttäuschung breit. 200 Mbit/s erscheinen da rein illusorisch. Wenn der Experte John Papandriopoulos gefragt wird, warum Kupferleitungen oft nur 1 bis 2 Mbit/s verkraften und nur ein Viertel der Anschlüsse überhaupt für ADSL 2 (ca. 20 Mbit/s) taugen, nennt er als Antwort grundsätzlich neben der Regulierung folgende zwei Faktoren:

1. Crosstalk (im Deutschen als Übersprechen bezeichnet) entsteht, wenn die verwendeten Kabel sehr schlecht isoliert sind. Die Kabel stören sich dann elektromagnetisch gegenseitig und werden daher mit geringerer Geschwindigkeit beschaltet.

2. Die Leitungslänge: Je länger die verwendete Leitung, umso höher die Datenverluste, d.h. es ist schwieriger die Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten.

Aus Providersicht lohnt es sich vor allem das Problem mit dem Crosstalk zu lösen. Denn gäbe es ein Verfahren, welches die Störungen genauer berechnet, könnten die alten Leitungen weiter genutzt werden und die zusätzlichen Infrastrukturkosten würden somit entfallen.

Die Lösung heißt “Dynamic Spectrum Management” (DSM):

DSL - Signal Rauschverhältnis

DSM ist ein Verfahren, welches an der Melbourne Universität entwickelt wurde. Unter dem Spitznamen “Brüderlich surfen” überprüft das Verfahren die Frequenzbänder der verwendeten Kupferleitungen. Tritt nun in einem der Bänder der so genannte “Cross Talk” auf, wird dieses Band abgeschaltet und ein “Übersprechen” der Leitung unterbunden.

Für Telkos mit bestehender Infrastruktur ist DSM besonders aufgrund der Kostenersparnis interessant. Dabei ist vor allem die Hoffnung, das DSM auch bei bestehenden Routern und Modems einfach via Firmwareupdate implementiert werden kann.

Leider ist die Technologie derzeit noch nicht einsetzbar. Jedoch arbeiten die Firmen Melbourne Ventures und ASSIA an der Kommerzialisierung.

Geschwindigkeit im Netz richtig ausnutzen ist und bleibt ein ständiges Thema. Auch wenn die 200 Mbit/s geknackt wurde, ist die Entwicklung noch längst nicht ausgereizt. Forscher wie die Gruppe um Prof. John Cioffi von der Stanford University arbeiten schon längst daran 1 bis 2 Gbit/s durch die Kupferleitungen zu jagen.

Unklar ist derzeit, wie die Glasfaser sich am Markt durchsetzen soll, wenn Verfahren wie das Dynamic Spectrum Management den “der Bronzezeit entsprungenen Kupferkabeln” noch immer so viel entlocken. Wir bleiben gespannt.

Links: Übersprechen kurz erklärt (Wikipedia)

Text+Grafiken: André Winzer

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