Das Wort zum Schalttag
Illustration: Anja Rieger
Heute ist unser Tag, denn heute ist der 29. Februar. Den gibt es nur in einem, wie die Franzosen sagen, année bissextile, und das ist nicht, wonach es sich anhört. Die Schaltzeit GmbH hat auch nicht Geburtstag, denn Wiegenfest ist erst in einem Monat, am 27. März.
Heute ist Schalttag. Der Schalttag ist wie die Schaltsekunde oder das Schaltjahr eine Maßeinheit der Schaltzeit. Den Schalttag gibt es nur alle vier Jahre, was ein zusätzlicher Grund zum Feiern ist. Wer am 29. Februar geboren wurde, hat es wahrlich schwer, denn er kann nur alle vier Jahre Geburtstag feiern und ist erst nach 72 Jahren volljährig…
Der Grund für die Einführung des Schalttages ist der unrunde Sonnenumlauf der Erde (365,2425 Tage) und die daraus resultierende Abweichung im Kalender. Um den vom Menschen geschaffenen, ganzzahligen Kalender mit den astronomischen Zeiten zu synchronisieren, wird alle vier Jahre ein Tag eingeschoben. Würde dies nicht passieren, wäre der Kalender völlig vom Sonnenstand entkoppelt und würde sich Jahr für Jahr verschieben. Irgendwann wäre dann der 24. Dezember in den Sommer “gewandert” und man könnte am längsten Tag des Jahres Weihnachten feiern. Eine witzige Idee, aber nicht wirklich praktisch.
Beispiele für divergierende Kalendersysteme gibt es reichlich. So fand die “Große Sozialistische Oktoberrevolution”, die gewaltsame Machtübernahme der russischen Bolschewiki, eigentlich im November 1917 statt. Im zaristischen Russland galt noch der Julianische Kalender, der gegenüber dem reformierten Gregorianischen Kalender in Resteuropa um 13 Tage hinterherhinkte.
Auch andere Staaten hatten so ihre nationalen Eigenzeiten. In Schweden galt zwischen 1700 und 1712 ein eigener Kalender, der sich aus einer geplanten Abschaffung des Gregorianischen und der Wiedereinführung des Julianischen Kalenders ergab. Diesen Sonderweg hielten die Schweden jedoch nicht lange durch und beschlossen die Rückkehr zum Gregorianischen Kalender. Aus diesem Grunde fügten sie 1712 gleich zwei Schalttage ein, um wieder mit Resteuropa gleichzuziehen: den 29. und den 30. Februar. Der 30. Februar ist übrigens morgen…














Am 29. Februar 2008 um 11:15 Uhr
Na dann trotzdem die besten Wünsche zum Schalttag … – und: Immer schön durchschalten, umschalten, weiterschalten, mitschalten!!!
LG, André
Am 1. März 2008 um 15:30 Uhr
Gestattet mir eine kleine Anmerkung:
Traurig, aber wahr – für alle zwischen dem 29.02.2028 und dem 29.02.2096 geborenen Schaltkinder wird es dann sogar wieder 76 Jahre dauern, bis sie volljährig werden.
Also, schon mal vormerken…