Es grünt so grün, wenn im Marketing die Hirne glüh’n

GREEN IT - JUST DO IT!

In Hannover dreht sich in diesem Jahr alles um das Thema Green IT. CeBIT goes tree-hugging? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich diese Welle nicht an Ufern bricht, die mit ökologischen Ansätzen so viel zu tun haben wie Greenpeace mit der NRA. Der Grundgedanke von Green IT ist ja durchaus nachvollziehbar: Sinnvollere Storage- und Server-Auslastung, Thin Clients etc. pp. sorgen für geringeren Energieverbrauch und sparen zudem Platz. Das leuchtet ein und ist sicherlich gerade für Unternehmen mit einem großen IT-Fuhrpark eine spitzenmäßige Möglichkeit, Geld zu sparen. Doch was – bei Häuptling Seattles Haarpracht – hat eine PC-Bambusverkleidung mit Umweltverträglichkeit zu tun? Nur weil’s grün aussieht, ist noch lange kein Grün drin.

Marketing-Virtuosen und Produkt-Verwickler scheint es jedoch nicht weiter zu stören, dass die Brücke zwischen grüner Industrie-IT und öko-konformen Endanwender-Lösungen auf ultradünnem Eis gebaut ist. Allein der Blick auf die Liste all jener Aussteller, die auf der CeBIT Green IT-Lösungen präsentieren, regt die Phantasie an: Da tummeln sich Hersteller von Bildschirmreinigern (jetzt aus 100 Prozent Altpapier), WLAN-Routern und kabellosen Telefonen (übertragen den Balzgesang aussterbender Walrassen), GPS-Systemen (ab in den Urwald?) und energiesparende Computernetzteile (optimal geeignet für den neuen Intel Skulltrail-Prozessor, s.u.). Da staunt der Messebesucher.

Pflanzendruck

Dass es auch anders geht, beweist Intel. Anstatt sich den regenbogenbunten Tänzen der grünen IT-Propheten anzuschließen, haut der Chip-Hersteller mit seinem neuen Turbosystem Skulltrail so richtig auf den Putz: Das achtköpfige Prozessormonster verjubelt unter Last bis zu 1,4 Kilowatt. Respekt! Wer wünscht sich nicht ein eigenes Rechenzentrum, das bequem ins Wohnzimmer passt? Gut, das Teil schluckt über das Jahr verteilt vermutlich mehr Energie als eine mittelständische Aluminiumhütte und kann in Sachen Wärmeentwicklung mit einem Jettriebwerk mithalten – doch was soll’s, Schwamm drüber. Green IT ist überbewertet!

Das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie erklärt Verbrauchern, welcher PC der grünste ist: ihr alter. Denn alleine die Herstellung einer neuen Rechenkiste verschlingt angeblich 3000 Kilowattstunden Energie. Das Motto lautet also „Was lange währt, wird endlich grün“. Die selbstklebende Bambusmusterfolie gibt’s übrigens für rund 20 Euro in jedem gut sortierten Baumarkt.

Text: Barbara Feldmann
Fotos: Erik Neumann

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