Information vs. Exformation
Die Evolution führte die Menschheit von der Ur- über die Agrar- und Industrie- in die Informationsgesellschaft. Das wichtigste Gut dieser Gesellschaft ist die Information, kopiert und übertragen, gespeichert und gesichert, ausgestrahlt und neu zusammengefügt durch Television, Videotext, CD-Rom, Tageszeitung, Plakate, Internet, Flashspeicher, Werbung, Handzettel, Chips, Bücher, Wikis, Telefon, Radio usw. usf.
Wenn heutzutage jemand eine Woche lang die Frankfurter Allgemeine oder die Süddeutsche Zeitung liest, ist er mehr Informationen ausgesetzt, als jemand vor hundert Jahren in seinem gesamten Leben bewältigen musste. Wir produzieren mehr Informationen, als in den vorhergehenden 5000 Jahren unserer Zivilisationsgeschichte, und die Menge wird sich in der nächsten Dekade noch verdoppeln.
Das sagt natürlich nichts über die Qualität der Information aus, sondern allein über die Quantität. Ein Großteil ist bloßes Hintergrundrauschen, Tratsch und Geschnatter, Wiederholung, Redundanz, kurz: unnütze Information. Es geht darum, die Datenflut zu filtern und das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Und das ist richtig Arbeit! Suchmaschinen sind beispielsweise solche Filter, sie trennen anhand eines eingegeben Stichwortes potenziell relevante Seiten von irrelevanten.
Der dänische Sachbuchautor Tor Nørretranders hat hierfür den Begriff der Exformation geprägt. Exformation ist die aus einer Botschaft ausgesonderte Information, also der eigentliche Informationsgehalt.
Der Wiener Künstler Bernd Schaudinnus hat eine ganz eigene Methode entwickelt, sich unnützer Information in Druckerzeugnissen zu entledigen und dabei Kunstwerke zu “exformieren”. Erklärt wird die Vorgehendweise anhand einer Seite des Wiener Nachrichtenblatts Der Standard, wobei der visuellen Verständlichkeit halber eine Zeichnung von Homer Simpson als wesentlicher Sinngehalt aus der Seite “herausgearbeitet” wurde: Der exformierte Homer. Hier kann das Ausgangsmaterial und dort das Ergebnis in höherer Auflösung betrachtet werden.
Wissen ist Macht. Nichtwissen macht nur nichts, solange man nicht weiß, dass man nichts weiß.
Fotos: Bernd Schaudinnus












