APML – Transparenzgewinn oder Datenfalle?

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Dass Informationen zu Vorlieben und Interessen von Kunden nicht frei verwertbar sind, hat sich in der Online-Welt noch nicht weit herumgesprochen. Da scheinen virtuelle Lichtblicke wie Attention Profiling Mark-up Language (APML) und Particls gerade recht zu kommen, um dem entmündigten Datenbesitzer (alias Online-User, Kunde oder Konsument) endlich wieder das Heft in die Hand zu geben. Denn die Spuren, die er bei seinen Streifzügen durch das Internet hinterlässt, gehören ihm – und sind dank APML portabel und voll kontrollierbar. Faraday Media, das selbsternannte Epizentrum der Aufmerksamkeitsdatenwelt (“epicentre of the Attention Ecosystem”), geht sogar noch einen Schritt weiter und verspricht dem Online-Nutzer nicht nur die volle Kontrolle über seine Attention-Profile, sondern als extra Bonus auch noch ökonomischen Gewinn. Da der Marketing-Mensch über den Wert persönlicher Nutzungsdaten schon lange Bescheid weiß, ist es schließlich nur fair, wenn der Konsument endlich auch etwas davon hat.

So weit, so gut.

Was jedoch auf den ersten Blick wie ein großer Schritt in Richtung Datentransparenz aussieht, wirft beim zweiten Hinschauen dezente Zweifel auf. Allem voran stellt sich mir die Frage, was Online-Dienstleister davon haben, wenn der Nutzer nun plötzlich selbst bestimmt, was mit seinen Aufmerksamkeitsdaten passiert. Denn mit Nettigkeit und Fairness alleine lässt sich bekanntlich kein Geld verdienen. Die Antwort ist offensichtlich: Als Händler oder Service-Anbieter kann ich es nur begrüßen, wenn sich mein Pool an Kunden- und Profildaten ohne großen Aufwand automatisch erweitert. Schließlich bringt der Kunde seine Daten in Form von APML-Profilen praktischerweise selber mit. Daran ist soweit nichts auszusetzen, schließlich haben beide Seiten etwas davon. Kritisch wird es, sobald ein Website-Betreiber die von einem Nutzer freigegebenen APML-Daten unerlaubt speichert – denn dann hätte die Kontrolle des Datenbesitzers über sein Aufmerksamkeitsprofil ein jähes Ende. Die deutsche Rechtssprechung ist hier eindeutig: Gibt ein Anwender seine Daten einem Online-Händler explizit (sic!) zur Nutzung frei, so sollten diese nach Gebrauch entweder gelöscht oder anonymisiert in den Datenpool des Online-Shops aufgenommen werden. Werden sie jedoch in Verbindung mit anderen, bereits vorliegenden Kundenprofilen (was ein APML-Profil per se schon ist) oder personenbezogenen Daten gebracht, dann ist der schmale Grat zwischen personalisiertem Angebot und Datenmissbrauch übertreten.

Gegenstimmen mögen nun behaupten, dass der Missbrauch von persönlichen Daten nicht die Sorge von Entwicklern und Anbietern, sondern des Gesetzgebers ist. Richtig? Zweifelhaft. Denn im Online-Alltag funktionieren zahlreiche Fälle von Datenmissbrauch schlicht und ergreifend deshalb, weil der Konsument viele Dinge unbedarft mit sich machen lässt. Dass der Nutzer die volle Kontrolle über seine Daten hat, setzt voraus, dass er weiß, wie er diese ausüben kann. Deshalb ist wichtig, bei APML nicht nur über theoretische Möglichkeiten zu sprechen, sondern den User auch darüber aufzuklären, worauf er achten muss. Schließlich ist ein Werkzeug immer nur so gut wie derjenige, der es bedient.

Foto: stormpic (c) aboutpixel.de
Text: Barbara Feldmann

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