Aha-Momente am TK-Kaffeetisch
Das Leben könnte so viel leichter (=ertragreicher) sein – auch für Telekommunikationskonzerne. Das meint zumindest Telco 2.0™. Denn was den meisten TK-Anbietern bisher scheinbar verborgen geblieben ist, deckt die Innovationsinitiative von STL Partners nun mit bestechender Selbstverständlichkeit auf: In den Schatzkammern der Kommunikationsstrippenzieher schlummert ungeahntes Wirtschaftskapital. Nein, kein Gold, kein Öl und auch nicht der Heilige Gral – „Daten“ ist das Stichwort. Wer sich bisher fragte, wie es mit dem Telekommunikationsmarkt weitergehen soll, der bekommt von Telco 2.0 die schlichte, aber ergreifende Empfehlung, auf ein völlig neues Geschäftsmodell zu setzen. Das Prinzip: Verwandeln Sie den wertvollen Rohstoff Information in bare Münze. Denn folgt man den Telco-Propheten, so heißen die TK-Perlen von heute nicht mehr mobiles Breitband oder etwa Carrier Ethernet-Dienste, sondern „My Personal Data“, „My Credit“, „My Relationships“ oder auch „My Interactions“. Erleben Sie schon den von Telco 2.0 gerühmten Aha-Moment?
Falls nicht, hier zur Verdeutlichung erst einmal ein paar Worte zum klassischen TK-Geschäftsmodell: Laut Telco 2.0 kennzeichnet sich dieses in erster Linie durch seine monodirektionale Ausrichtung. Der Endnutzer zahlt an das Telekommunikationsunternehmen, das wiederum drückt seinen Obolus zum Beispiel für die Bereitstellung der Netzinfrastruktur ab. Gewinne strömen hierbei nur aus einer Richtung in die Kassen. Das von Telco 2.0 proklamierte „Two-sided Telecoms Business Model“ geht die Sache vielseitiger an, denn nicht nur der Kunde zahlt – wie gehabt – für seine Dienste, nun kommen auch Entwickler, Behörden, Händler, Werbetreibende und Content-Besitzer als Melkkühe ins Spiel. Als „Upstream-Kunden“ nutzen sie den TK-Konzern als Händler von „valuable bits and bytes“. Weniger poetisch könnten Telekommunikationsunternehmen also in Zukunft als Logistikdienstleister für Daten aller Art gehandelt werden. Macht es jetzt „Aha“ bei Ihnen? Schön. Doch Obacht: Dass es noch das eine oder andere Hindernis zu überwinden gibt, räumt selbst Telco 2.0 bereitwillig ein. Denn das anschauliche Schlagwort Datenkrake könnte mit TK-Unternehmen als globaler Informationsdrehscheibe eine ganz neue Dimension gewinnen. Doch die zukunftsfreudige Telco-Initiative sieht in alltäglichen Informationen wie Name, Adresse oder gekauften Produkten ohnehin nur „potato data“, die zwar irgendwie sicher vorgehalten, aber nun wirklich nicht mit Stacheldraht und geladenen Schnellfeuergewehren geschützt werden müsse. Vergessen wir also das altweiberhafte Geschrei um Themen wie Vorratsdatenspeicherung. Denn die weltweite Datentorte ist – im Gegensatz zum angestaubten TK-Dienste-Keks – noch lange nicht verteilt.












