Peinlichkeiten online: Wie der Ruf sich ganz schnell ruiniert

Kann sich noch irgendwer an dieses pikante Limbodance-Video erinnern, auf dem die Protagonistin intime Einblicke gewährte, die eigentlich keiner haben wollte? Auf den zweiten Blick durfte der Betrachter nämlich deutlich sehen, dass die Lady eine Vertreterin des „No Panties“-Philosopie war. Auf gut deutsch: Sie war nackt unterm Röckchen und wohl nicht mehr ausreichend Herrin ihrer Sinne, um zu merken, dass das nicht nur von allen anwesenden Partygästen gesehen, sondern von einem speziellen Freund auch gefilmt wurde. Und da tiefe Freundschaft Flügel verleihen kann, dachte sich der Hobbyregisseur „Sie macht sich frei, um andere frei zu machen“ und schickte die bewegten Bilder auf die virtuelle Reise – ab in den Äther des WWW. Ich weiß nicht, wie oft ich das Video mit dem Betreff „Total peinlich!“ oder „Haha, guck Dir das mal an!“ in meinem E-Mail-Eingang hatte. Und jedes Mal aufs Neue habe ich mich gefragt: Wird diese Frau jemals wieder einen Job, einen Mietvertrag oder einen Tisch bei Ihrem Lieblingsitaliener bekommen? Wer lässt sich schon auf Exhibitionisten ein?! Man muss ihr wohl zugute halten, dass sie eigentlich nur einmal kurz nicht aufgepasst und leider die falschen Freunde hat.
Selbst weniger delikates Bildmaterial hat durchaus schon für Ärger gesorgt. Da wäre zum Beispiel das (harmlose) Foto der 16-jährigen Alison Chang, das ein Jugendbetreuer bei Flickr online gestellt und der australische Mobilfunkanbieter Virgin Mobile schließlich in eine Werbekampagne eingebaut hat – ohne das Wissen des unfreiwilligen Fotomodells. Schuld waren angeblich Missverständnisse hinsichtlich der Lizenzierung. Ich vermute doch stark, dass das laufende Gerichtsverfahren in diesem Fall auch weniger eine Frage der Gerechtigkeit ist, sondern vielmehr der Geruch des Geldes die Famile Chang in Justitias Hallen lockt. Die britische Nachwuchsfotografin Lara Jade hat da weniger zu lachen: Ihr Selbstportrait, geschossen im zarten Alter von 14 Jahren, landete nämlich auf dem Cover einer US-amerikanischen Porno-DVD. Wer seine Fotos online stellt, der muss anscheinend damit rechnen, dass das Recht am eigenen Bild nicht von jedem ernst genommen wird.
Wenn jemand Opfer von entweder gedankenlos veröffentlichten oder aus Arglist in Umlauf gebrachten Fotos oder Filmen wird, ist das eine Sache. Inzwischen scheint es bei vielen Leuten jedoch zu einer Art Breitensport zu avancieren, den eigenen Ruf auf Teufel komm raus zu riskieren – da müssen böse Mädels & Buben gar nicht mehr groß nachhelfen. Da das Internet immer noch ein Gefühl von Anonymität vermittelt, sind zahlreiche Nutzer nicht zimperlich, wenn es um das Preisgeben von persönlichen Details geht. Doch wie lange bleiben wir inkognito? Wer das Web nur unter Pseudonym mit überflüssigen Fakten wie persönlicher Promillerekord oder Lieblinsrezept für Haschkekse füttert, ist nur vermeintlich sicher davor, erwischt zu werden. Es reicht ja schon, wenn eine Handvoll Leute zum Beispiel einen kleinen Link wie “Hier geht’s zum Blog von Peter Meyer” auf ihrer Website haben. Wer einen bestimmten Autor finden will, folgt einfach den Spuren, die andere ausgelegt haben. Ist dann noch ein Foto von Peter M. oder eine Verlinkung zu seiner flickr-Site in seinem Blog, kann ihn jeder Internetanfänger eindeutig identifizieren.
Reputations- und Identity-Management ist das neue Schlagwort. Und so poppen immer mehr Beratungsunternehmen mit ihren Tools & Services aus dem Humus, den wir mit unserem Mitteilungsbedürfnis im Web hinterlassen. Doch was nützt es mir, wenn ich im Nachhinein einen Ruf wiederherstellen muss, der durch einen einzigen unüberlegten Satz oder einen peinlichen Schnappschuss ruiniert worden ist? Wäre es manchmal nicht schlauer, beim Zechgelage sämtliche Kameras zu konfiszieren und – noch viel ausgebuffter – einfach mal nicht peinlich zu sein?
Bild: Gwire












