Geistiges Eigentum und Innovation

Wir wollen Innovation. Das Wort selbst steht für Erneuerung. Neue Ideen haben immer den Charme uns eine neue Sichtweise zu ermöglichen. Statt ausgetretener Pfade lieber neue Spuren setzen. Damit die Innovatoren für ihr Risiko belohnt werden, gibt es die Möglichkeit die Innovationen als geistiges Eigentum zu schützen. Der „schöpferische Unternehmer” wird für seinen Pioniergeist belohnt. Kurzfristig kann er eine Monopolstellung erlangen, um den First-Mover-Advantage vollkommen auszuschöpfen. Das Gesetz der Pfadabhängigkeit besagt zudem dass seine bisherigen Erfahrungen seine eigenen Innovationsmöglichkeiten begrenzen. D.h. die erreichbaren Innovationsziele sind begrenzt. Das ist besonders schlecht für die Gesellschaft.
Daher kritisiert der US-Ökonom Joseph Stiglitz das bisherige System des geistigen Eigentums. Wenn ein jeder Patente hält, können Innovationen behindert werden. Das ist ja auch logisch. Die Komplexität der Produkte steigt. Damit einher steigt auch der Anteil an fremdverwertetem geistigem Eigentum. Also auch die Produktionskosten. Wird die Nutzung fremden geistigem Eigentums verhindert, so verliert die Gesellschaft ein Stück ihrer Innovationskraft.
Wir fördern also eine Gesellschaft, wo Wissen nicht frei verwendet werden kann. Ein gutes einfaches Beispiel ist die Restriktion im Arzneimittelbereich. Obwohl wir preiswert gute Generika für die Behandlung von HIV-Patienten herstellen könnten, ist dies patentrechtlich nicht erlaubt. Das Allgemeinwohl tritt hier hinter das gewerbliche Schutzrecht des Unternehmers. Mit der Folge dass wir wissentlich das Wohl des schöpferischen Unternehmers über das der Menschenrechte stellen. Der Mediziner John Sulston kritisiert, dass die Forschung so profitorientiert wird. Dass heißt, wo es etwas zu holen gibt, da wird auch geforscht. Wenn wir dies weiter forcieren und auch die Finanzierung von Wissenschaftsinstituten reduzieren, sind diese gezwungen mit Spin Offs und Spin Outs ihr Geld zu machen. Das reduziert die operativen Kosten für die Gemeinschaft verhindert jedoch auch den zusätzlichen gemeinschaftlichen Nutzen.
Was nun? Auf der einen Seite wollen wir verkrustete Strukturen aufbrechen, gemäß Schumpeter am liebsten durch die kreative Zerstörung und zum anderen soll der gesellschaftliche Nutzen erhöht werden. Ratlosigkeit macht sich breit.
Wie wäre es wenn wir Urheberrechte gemäß einer Creative Commons strukturieren. Wissen wird nur dort geschützt, wo es tatsächlich eingesetzt wird und der Rechteinhaber kann die Nutzungsrechte für bestimmte Branchen und Anwendungsszenarien freigeben. Dieses Externalisieren von Wissen ermöglicht offene Innovation. Denn wenn wir ehrlich sind gibt es für jedes geistige Eigentum genug Innovationshindernisse in Form von festgelegten Konventionen. Ist der Innovator über diese Schwelle hinaus, hat er sicher nichts dagegen seinen Profit zu teilen.

Bild: Marco Raaphorst
Illustration: Winzov












