Die (Schalt)Zeit 09.11.1989 - 09.11.2009

historischer Zufahrtsweg zur Schaltzeit Zentrale
Fast jeden Morgen gehe ich über die Oberbaumbrücke. Vor knapp 20 Jahren zum ersten Mal. Und nun vielleicht zum 5.000ten. Und doch, noch immer ist es etwas Besonderes. Mitunter habe ich dann den Klang der Stimme meines Vaters im Ohr aus einer Zeit als wir regelmäßig mit unserem Wartburg auf der Stralauer Allee entlang der Mauer fuhren. „Da können wir nicht rüber. Da drüben die hohen Häuser; das ist schon West-Berlin.“
Viele Deutsche haben solche Orte. Und daher ist es erfreulich, dass der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ein Online Spezial -abseits des „Jubiläumslärms“ in den Medien- zusammengestellt hat, welches eindrucksvolle und vor allem persönliche Bilder zeichnet. Das multimediale Projekt “20 Jahre 20 Orte” stellt 20 Orte in Berlin und Brandenburg vor, die sich seit der Wende besonders verändert und dabei oft völlig anders als erwartet entwickelt haben.
So berichtet beispielsweise ein inzwischen verheiratetes Paar von den Anfängen ihrer Ost-West-Liebe, die allabendlich am Tränenpalast ihre vorübergehende Trennung erlebte. Eine Pfarrerin der Gethsemanekirche schildert die Repressalien, die in der Vorwendezeit zu erdulden waren. Und eine Zeitzeugin aus der ehemaligen Exklave Steinstücken berichtet aus der Zeit, als man den kleinen Ort vor West-Berlin nur mit dem Hubschrauber verlassen konnte. Auch verschiedene Prominente wie Wolfgang Thierse, Star-Friseur Udo Walz und die Literaturkritikerin Iris Radisch kommen zu Wort und schildern die Veränderungen “ihrer” Orte. Weitere sind der Palast der Republik, der ehemalige Grenzübergang Dreilinden und natürlich die Oberbaumbrücke.
Mit dabei ist auch Eisenhüttenstadt u.a vertreten durch den dort verwurzelten Buchautor Andi Leser. Im Interview bekennt auch er „… die Stadt lässt mich nicht los.“ – Gut zu hören, und ergreifend zu wissen. Es gibt sie überall in unserer Republik, die Menschen mit ihren ganz persönlichen Orten der Wende, denen sie sich bis heute verbunden fühlen und deren Schicksalen sie nicht gleichgültig gegenüberstehen.
Das tut gut. Denn frei nach Wir sind (waren) Helden gilt: Die Zeit heilt alle Wunder.
Foto: Lucky_Catz
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Am 18. November 2009 um 20:39 Uhr
Mir persönlich geht dieser ganze Mauerfallrummel ja tierisch auf die Nerven. “Aber 20 Jahre 20 Orte” ist da eine nette Abwechslung. Man hat das Gefühl, hier sollen echte Emotionen und Geschichten wiedergegeben werden ohne diesen ganzen Ostalgiequatsch und Kommerz.
Am 22. Februar 2010 um 20:27 Uhr
Warum ist nach dem 9.11.2009 die Schaltzeit ausgeschaltet ?? :-)
Hat es sich ausgebloggt und twittert man jetzt?